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Ich habe eine Bus-Tour gebucht mit Stadtrundfahrt und Besuch der verschiedenen Kriegsmuseen in Pearl Harbour. Dieses Jahr ist 60-jähriges Jubiläum des Angriffs der Japaner und vor kurzem ist ein aufwendiger neuer Film darüber in die Kinos gekommen. Das Thema hat hierdurch eine neue Aktualität gewonnen und entsprechend gibt es auch viel Andrang bei den verschiedenen Gedenkstätten. Die Tour kostet mit allen Eintrittsgeldern 36,50 USD. Nicht gerade billig die amerikanische Geschichte.
Zunächst fahren wir zum Kriegsmuseum. Mit Displays und einem Dokumentarfilm wird über den japanischen Angriff vom 07. Dezember 1941 aber auch über die Hintergründe des Konfliktes zwischen USA und Japan sehr gut informiert. Im Anschluß an den Film werden die Besucher mit einer Fähre zum Arizona Memorial gebracht. Es handelt sich um eine Gedenkstätte, die über dem gesunkenen Schlachtschiff USS Arizona errichtet wurde. Die Listen der Gefallenen enthält auch eine Menge deutscher Namen. Nach dieser Besichtigung bringt uns der Bus auf die andere Hafenseite zum Schlachtschiff USS Missouri, welches man komplett besichtigen kann. Bei der USS Missouri handelt es sich um das Schiff, auf dem die Japaner zu Kriegsende ihre Kapitulation unterzeichneten.
Auf dem Schiff kommt ein Amerikaner im Rentenalter mit mir ins Gespräch. Er ist sichtbar Beeindruckt und Stolz über das Drumherum und den amerikanischen Sieg über die Japaner und erzählt von deren Dummheit, weil sie es damals versäumt hatten die früher ausgelaufenen Flugzeugträger der USA ebenfalls anzugreifen. Ich frage ihn daraufhin, wer denn letztlich den Krieg wirklich gewonnen hat. Schließlich gehört Hawai zwar formell als 50. Bundesstaat zu den USA, aber Haupteigentümer mit wesentlichem Bevölkerungsanteil sind heute die Japaner. Auch an der Westküste von USA und Kanada haben Japaner und Chinesen inzwischen eine führende Rolle. Offenbar muß man nicht Krieg führen um fremde Länder zu erobern. Mein Gesprächspartner bekommt etwas traurige Augen und gibt mit Recht. Tja, eigentlich etwas fies von mir diesem stolzen Patrioten die Laune zu verderben.
Heute werde ich mittags abgeholt und zum Flughafen gebracht. Mit Hawaian Airlines fliege ich zur Insel Maui und übernehme dort einen kleinen Mietwagen. Bis nach Kihei zu meinem netten Beach Hotel ist es nicht weit. Den Nachmittag genieße ich dann überwiegend am Hotel-Pool.
Nachdem ich gestern das Landesinnere der beiden Inselteile erkundet habe will ich heute den östlichen Teil entlang der Küste umrunden.
Ich fahre von Kihei nordwärts am Airport vorbei, erreiche die Nordküste und folge dem Hana Highway Richtung Westen. Zunächst fahre ich dort an einigen Stränden und Hotel-Resorts vorbei.
Schließlich wird aus dem Highway eine sehr enge und kurvenreiche Strasse die sich oft von der Küste entfernt und durch Regenwälder führt.
Einen Stop mache ich bei einem netten botanischen Garten, dem Garden of Eden. Zum Park gehört ein kleines Papageiengehege und ein netter kleiner Wasserfall, die Puohokamoa Falls.
Wer meine Reiseberichte kennt weis, dass ich Wasserfällen einfach nicht widerstehen kann. Heute werde ich belohnt und sehe als nächstes noch die Wailua Falls und die Oheo Falls. Dass es hier überall sehr relaxed zugeht, merke ich wenn mir Einheimische auf landestypische Art zuwinken. Daumen und kleiner Finger gespreizt, die drei mittleren Finger zur Faust gefaltet. Die Geste nennt sich „shaka“, was so viel wie „Hallo“ bedeutet, aber auch gerne mit hang loose übersetzt wird.
Im Osten der Insel wird es mit dem Städtchen Hana wieder etwas urbaner. Danach komme ich weiter südlich nach Kipahulu, wo sich die „7 sacred Pools“ befinden, das ist eine Reihe von kleinen Wasserfällen und Teichen in Küstennähe die zum baden einladen.
Die Weiterfahrt entlang der Südküste führt dann teilweise über eine Schotterpiste. Eine komplette Inselumrundung bis zu den Hotels von Wailea und Kihei ist leider nicht möglich, hierzu fehlen wenige Kilometer Strasse. Ich muss deshalb jetzt noch mal einige Kilometer Umweg durch das Innere der Insel über Kuhla nach Kahului am Airport vorbei fahren.
Ich fahre morgens zum Flughafen und fliege von Maui nach Kona auf Big Island. Der Flughafen Kona wurde auf einem relativ frischen Lavafeld errichtet, vielleicht knappe 100 Jahre alt. Ich übernehme einen neuen Mietwagen und fahre an den fast kahlen schwarzen Lavafeldern vorbei zum Haupttouristenort Kailua-Kona.
Das Städtchen ist vor allem als Austragungsort des berühmten Ironman-Triathlons bekannt. Vor gut 10 Jahren hab ich noch selber von einer Teilnahme an diesem Event geträumt, inzwischen hat meine Fitness leider etwas nachgelassen. (Man wird ja mal träumen dürfen)
Abends ein bisschen Bummel durch das Geschäfts- und Kneipenviertel. Ich erkundige mich nach günstigen Rundflügen über die Insel und erhalte den Rat an einer Time-Sharing-Veranstaltung teilzunehmen und dafür einen Rundflug zum halben Preis buchen zu können.
Gesagt getan, ich buche gleich vor Ort. Mein Rundflug wird gleich morgen stattfinden, der Besuch im Ferienresort am Samstag.
Der heutige Inselrundflug erfolgt mit einem 4-Sitzer. Ich darf neben dem Piloten sitzen. Wir fliegen ein wenig am Küstenstreifen, danach über die qualmenden Schlote des Kilauea-Vulkans. Besonders beeindruckend dann der südliche Küstenabschnitt wo die glühende Lava direkt ins Meer fliest. Nach der Landung fahre ich an der Westküste Richtung Norden bis Hawi.
In der Nähe des Ortes befinden sich die Ruinen des Geburtsortes von Kamehamea I. und weiter nördlich seine Statue. Es gilt als bedeutendster König von Hawai, da er vor gut 200 Jahren die Stämme aller Inseln von Hawai geeinigt hat. Geeinigt liest sich so schön neutral, seine Überzeugungsarbeit gegenüber den Widersachern war allerdings recht blutig und dauerte 30 Jahre.
Der nördliche Inselabschnitt ist Ranchland. Die dortige Parker-Ranch soll von ihren Ausmaßen die größte Ranch der USA sein. Die Geschichte dieser Ranch ist allerdings typisch für das Schicksal der einheimischen Bevölkerung. Der Gründer war ein amerikanischer Seefahrer, der sich in 1809 ein Stück Land vom König schenken lies und diesen Besitz mit der Zeit vergrößerte.
Eindrucksvollstes Beispiel solcher „Besitzwechsel“ ist allerdings die Insel Lanai. Diese Insel gehört seit 1901 zu 98 % dem amerikanischen Ananasproduzenten „Dole Corporation“. Ein Tourismus findet dort kaum statt.
Ich mache meinen Pflichtbesuch im Ferienresort. Zunächst werde ich durch Broschüren und einen Videofilm informiert. Es gibt viele Anbieter entlang der Küste welche wohlhabende Asiaten und Amis ködern wollen, um Dauernutzungsrechte für Ferienappartements zu verkaufen. Die Anlage sieht durchaus eindrucksvoll aus. Das System ist das gleiche wie auf den Ferieninseln in Europa.
Europäer gelten auf Hawai allerdings nicht als aussichtsreiche Zielgruppe. Um einen verbilligten Rundflug als Köder zu erhalten muss man sich normalerweise zu einem längeren Verkaufsgespräch bereit erklären.
Ein Mitarbeiter spricht mich an und erklärt, man habe heute leider wenig Personal. Er fragt ob mir der Flug gefallen habe und meint ich habe wohl ohnehin kein ernsthaftes Interesse an einer Ferienwohnung. Ich bestätige ihm Beides, bekomme noch einen schönen Urlaub gewünscht und kann mich verabschieden.
Den Tag verbringe ich mit einer größeren Inselrundreise mit meinem Mietwagen. Zunächst zum größten Vulkan Mauna Kea. Der Vulkan hatte seinen letzten Ausbruch vor etwa 4.000 Jahren und gilt nicht als erloschener sondern als schlafender Vulkan. Hier befinden sich mehrere Observatorien mit den angeblich weltgrößten Weltraumteleskopen. Der Gipfel liegt 4.205 Meter über dem Meer. Seine Basis befindet sich allerdings in 5000 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund, wodurch er unter diesem Aspekt als höchster Berg der Erde gilt.
(Es gibt drei `höchste Berge` auf der Erde. Der Mt. Everest mit 8844 Metern über dem Meeresspiegel. Der Mauna Kea mit 9.205 Metern ab dem Fuß des Vulkans. Der Chimborazo/Ecuador 6.310 m NN, der die höchste Erhebung der Erde darstellt gemessen vom Erdmittelpunkt)
Auf Hawai gibt es auch echte Skifahrer und einen Skiclub. Wenn auf dem Mauna Kea Schnee fällt und ein paar Tage liegen bleibt kommen die Skiläufer mit Allrad-PKW über die hoffentlich geräumte Strasse. Ein Skilift existiert nicht, weshalb man besser als Gruppe kommt und ein wechselnder Fahrer den Skilift ersetzen muss. Saison ist oft im Februar/März, manchmal auch noch im Juli. Meist dauert der Spaß nur wenige Tage weshalb die Freaks sich beeilen müssen um mit dem Flieger von Honolulu zu kommen und statt zu surfen sich Snowboards und Skier an die Füße schnallen. Verrückte Gegend hier !
Vom Vulkan-Gipfel fahre ich weiter zur Inselhauptstadt Hilo im Osten, wo sich auch ein internationaler Flughafen befindet. Am Strand finden gerade Ruderwettbewerbe statt. Die Stadt Hilo war in 1946 und 1960 von großen Flutwellen (Tsunamis) betroffen, wobei viele Menschen ums Leben kamen. Aus diesem Grund wurde auf der Insel das PTWC Pacific Tsunami Warning Center eingerichtet. Zur Alarmierung der Inselbevölkerung gibt es ein ausgebautes Warnsystem mit Sirenen und Radiomeldungen.
Von Hilo fahre ich über Pahoa an die Küste. Seit 1983 fliest hier Lava vom Rand des Kilauea-Vulkan ins Meer. In dieser Küstenzone sind bereits viele Häuser zerstört worden, zugleich wächst aber auch die Fläche der Insel. Man kann über die erst vor wenigen Jahren erkaltete Lava bis ans Meer wandern. Eine trostlose, aber auch interessante Landschaft. Vereinzelt wachsen sogar wieder Pflanzen auf dem Gestein.
Die weitere Inselrundfahrt führt mich zum Hawai Volcanoes National Park. Es gibt dort ein sehr informatives Visitor Center. In der Nähe führt der Crater Rim Drive durch die Kilauea Caldera, den eingesunkenen und im Moment kalten Hauptkrater des Kilauea. Im Besucherzentrum wird man auch über den jüngsten Vulkan von Hawai, Loihi, informiert. Die Spitze des Loihi befindet sich im Moment etwa 970 Meter unter dem Meeresspiegel. In einigen Zehntausend Jahren soll er den Meeresspiegel erreichen und im Südosten eine neue hawaianische Insel bilden.
Man mag mir meine Ausführlichkeit in diesen Dingen verzeihen. Als Vogelsberger lebe ich auf dem größten Vulkanmassiv Europas und sehe mich natürlich auch als echten "Vulkanier".
Mein Hawai-Trip und damit auch mein halbes Jahr Timeout gehen zu Ende. Seit drei Wochen befinde ich mich innerlich fast schon ein wenig auf der Heimreise. Die Eindrücke des vorherigen langen Aufenthaltes in Australien sind noch nicht ganz verdaut, weshalb ich Hawai vielleicht nicht ganz so genießen konnte wie andere Urlauber die sich mit einem Hawai-Urlaub einen Lebenstraum erfüllen.
Trotzdem war es mehr als ein verlängerter Stop-Over. Es sind wunderschöne Inseln mit traumhaften Landschaften und Stränden. Das meiste ist natürlich sehr touristisch, aber gerade abseits von Waikiki gibt es viele schöne Flecken, die darauf warten entdeckt zu werden. Vieles in diesen Landschaften ist absolut Einzigartig und wird es auch in meiner Erinnerung bleiben. Vielleicht gelingt mir ja in ein paar Jahren erneut so ein schöner Zwischenstop.
Das erinnert mich allerdings wieder an Captain Cook, der auch zweimal hier war. Zunächst in 1779 da wurde er freundlich empfangen, dann in 1780 da wurde er umgebracht. Ich werde mir deshalb etwas Zeit lassen bis zu meinem zweiten Besuch. Die Einheimischen mögen es vielleicht nicht wenn man so kurz hintereinander auftaucht.
Mein Flieger geht zeitig um 07.00 Uhr. Nach LA fliege ich mit Continental Air. Von dort Nonstop nach Frankfurt mit Lufthansa. Für den der es interessiert. Die Flugreise von Frankfurt über Singapore, Auckland, Melbourne, Auckland, Hawai, Los Angeles, Frankfurt mit den langen Aufenthalten in Neuseeland, Australien und Hawai wurde über Air New Zealand gebucht und war recht günstig. Das Ticket gilt als eine Reise nach Neuseeland mit kostenfreien Zwischenstops. Die Flüge selber wurden mit unterschiedlichen Fluggesellschaften von Star Aliance gebucht.