Als ich im Juni 2001 in Glenluce/Australien nördlich von Melbourne mein Mietmotorrad an meinen Vermieter Kurt Weidner zurückgab dachte ich nicht im Traum an einen neuen Trip schon ein Jahr später. Kurt gab mir damals ein Prospekt von seinem Projekt „Bike Tours Allround“. Es handelt sich um eine geführte Motorradweltreise die in 14 Etappen je 3 – 5 Wochen in 2002 und 2003 durchgeführt werden sollte. Start in Ost-Kanada, dann über West-Kanada nach Alaska, wieder herunter entlang der Westküste der USA, Mittelamerika und Südamerika bis Feuerland. Danach je eine Etappe in Neuseeland und Australien, anschliessend über Hong-Kong, Peking, die Mongolei und Moskau, nach Deutschland, wo im Sauerland eine große Abschlußfeier stattfinden soll. Tja, eine tolle Sache zum träumen aber in 2001 kein Traum für mich.
Im Dezember 2001 erreichte mich dann ein Angebot an alle Bike-Tours-Veteranen. Einige Etappen waren noch nicht ausgebucht und wurden zu stark reduzierten Sonderpreisen angeboten. Da mich längst das Fernweh wieder gepackt hatte machte ich mir ein Weihnachtsgeschenk und buchte die Etappe BTA 3 von Fairbanks/Alaska nach Vancouver/Kanada. Der offizielle Tour-Start erfolgte dann bei der Bike-Tours-Party im Sauerland vom 10. – 12. Mai 2002.
Die Stadt Fairbanks wurde von einem Händler mit Namen Barnett gegründet.
Mr. Barnett strandete vor genau 100 Jahren mit einem Schiff und 150 Tonnen Handelsware. Er beschloss seinen Handelsposten an Ort und Stelle zu betreiben. Der Goldrausch brachte ein paar Tausend Einwohner. Mr. Barnett wurde Bürgermeister, wurde Inhaber der einzigen Bank, ging nach ein paar Jahren pleite und wurde aus der Stadt gejagt. So ähnlich habe ich die Story nachgelesen, und so ähnlich wurden wohl viele mehr oder weniger große Siedlungen im Westen gegründet.
Heute ist Fairbanks mit etwa 35.000 Einwohnern die nördlichste Stadt der USA und die zweitgrösste Stadt Alaskas, dazu Endstation der amerikanischen Eisenbahn und Versorgungszentrum für die Ölindustrie.
Heute beginnt der eigentliche Trip mit den Bikes. Nach kurzer Routenbesprechung starten wir bei sonnigem Wetter in kleinen Gruppen.
Zunächst geht’s ein paar km nach Norden zur Ölpipeline. Recht eindrucksvoll.
Dann ein kurzer Besuch beim leider geschlossenen Howling Dog Saloon.
Eigentlich war für gestern ein Besuch dort als formeller Tourbeginn vorgesehen.
Leider ist jedoch der Inhaber vor etwa einem Jahr bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen und es gibt noch keinen Nachfolger. Tja, kein gutes Omen für eine Bike Tour.
Wer gerne Kneipenwirt in Alaska werden möchte möge sich nach Fairbanks begeben.
Nach diesem Abstecher fahren wir südlich Richtung Denali National Park. Es ist herrlich auf dem Bike die frische Luft und die herrliche Landschaft zu geniessen. Nachmittags erreichen wir unseren Campground in Healy und fahren gleich ein paar Kilometer weiter zum Visitorcenter des Denali NP. In der Ferne erhebt sich der Mt. McKinley, der mit 6.194 m höchste Berg der USA. Denali ist die Indianerbezeichnung für den Berg und bedeutet „der Große“. In der Staatsregierung gab es vor einigen Jahren Streit darüber welchen Namen der Berg tragen sollte. Die Alaskaner verwenden heute beide Namen nach Belieben.
In den Park hinein kann man mit eigenem Fahrzeug die ersten ca. 25 km fahren. Angebotene mehrstündige Bustouren führen bis ca. 130 km in den Park hinein. Ich selber gönne mir heute die erlaubte Strecke und kann unterwegs einen Elch und ein Caribou beobachten. Abends am Lagerfeuer dann Beratungen über die Gestaltung des Dienstages. Wir werden 2 Nächte auf dem Campground in Healy bleiben. Vorgesehen war eigentlich ein Rundflug zum Mt. McKinley. Nach früheren Erfahrungen von Kurt sollte so ein Flug nur ca. 80,-bis 100,- Dollar kosten. Telefonate bei den beiden örtlichen Veranstaltern ergaben jedoch Preise von 180,- bis 240,- Dollar, was allen zu teuer erschien.
Ich selber habe noch den Besuch bei meinem Goldclaim geplant. Vor einem Jahr hatten mir Freunde zum Geburtstag einen Goldclaim geschenkt. Eine hübschen Urkunde der „Bull & Bear Gold Mining Co“ bescheinigte mir, dass ich Besitzer eines einen Quadratmeter großen Claims am Nenana River bin, mit Angabe der GPS-Daten. Mit dem GPS-Gerät von Kurt stellten wir fest, dass sich unser Camp nur ca. 10 km südlich von diesem Punkt befindet.
Die Beschreibung meiner Goldclaim-Urkunde erklärt, man könne die Stelle nur über den Fluß mit Boot erreichen, oder müsse sich ein ganzes Stück durch unwegsames Gelände durch den Busch schlagen. Mit 4 Bikes, GPS-Gerät und Bären-Abwehr-Spray bewaffnet fahren wir den Highway ein Stück nach Norden um eventuell einen Feldweg oder Wanderpfad in Richtung des etwa 2 km entfernt parallel laufenden Flußes zu finden. Leider vergebens. Tja, da muß der Goldschatz in meinem handtuchgrossen Claim halt bis zu meinem nächsten Besuch warten. Den Kauf eines Bootes werde ich dann von der Steuer abschreiben.
Meine Reisebegleiter wollen nun zum Denali NP um an einer Bustour teilzunehmen oder zu wandern. Mich zieht es ca. 80 km weiter nach Süden, wo bei Cantwell der ungeteerte Denali Hwy Richtung Osten abzweigt.In Cantwell lockt ein Schild mit Rundflügen zum Mt. McKinley.
Ich erkundige mich und erfahre, dass Flüge in einer 4-sitzigen Cessna für 120,- Dollar je Person angeboten werden. Jubel, Jubel !! Der nächste Tag ist beim Veranstalter noch komplett frei und ich reserviere 3 – 4 Flüge für die ganze Truppe. Die genaue Teilnehmerzahl werde ich abends noch telefonisch durchgeben.
Der Denali Hwy führt etwa 216 km von Cantwell nach Paxson. Er ist ungeteert hat die üblichen Schlaglöcher und ist im Winter geschlossen. Genau das Richtige um ein wenig die Endurofähigkeit der BMW zu testen. In Deutschland ist der Spaß leider verboten mit Moped Feldwege zu befahren. Hier in Alaska nennen sich die Feldwege sogar Highway.
Entlang des Denali Hwy erstreckt sich ein breites Tal, teils Tundra, dazwischen dünne Bewaldung. Nördlich davon sieht man in der Ferne einige schöne Gletscher. Nach einigen Fotostops wende ich auf halbem Weg und fahre zurück nach Healy.
Abends bringe ich dann die Goldclaim-Lästerer schnell zum schweigen durch die Info über den Rundflug-Deal. Es finden sich schnell 9 Teilnehmer für insgesamt 3 Flüge am nächsten Tag. Später gehen wir noch in kleinem Kreis zur örtlichen Kneipe, den Healy Totem Inn. Ein netter rustikaler Pub, der auch hübsche T-Shirts anbietet. Als ortsansässiger Goldclaim-Besitzer fühle ich mich gleich heimisch in meiner neuen Stammkneipe. Habe ich jetzt als Grundstückseigentümer ein Bleiberecht in Alaska ?
Die alte Cessna ist Baujahr 1960, der Pilot und Besitzer Ray Atkins noch 20 Jahre älter.
Während des Fluges gewinnen wir nur sehr langsam aber stetig Höhe. Unterwegs sehen wir viele Schneefelder und Gletscher, dazu Dall-Schafe und Karibus. Den Mt. McKinley umrunden wir nicht, sondern fliegen in etwa 4000 Meter Höhe entlang seiner Ostflanke.
Der Himmel ist blau und wolkenlos. Die Reiseführer schreiben, man habe als Tourist im Sommer nur eine 25 % Chance den Gipfel zu sehen, meist sei es zu bewölkt. Heute haben wir eine grandiose Sicht auf die Berge und Gletscher. Unterwegs erzählt uns Ray ein wenig über Landepisten am Berg, Hundeschlittenexpeditionen zum Gipfel, Strassenbau, Eisenbahnbau und andere Pioniertaten in der Region. Auf dem Rückweg zeigt er uns noch einen Grizzly im Fluß beim Lachsfang. Nach ca. 75 Minuten landen wir und werden bereits von unserem nächsten Trupp erwartet.
Anchorage ist nicht die Hauptstadt von Alaska, jedoch mit 260.000 Einwohnern die größte Stadt und das wirtschaftliche Zentrum im Norden.
Politische Hauptstadt Alaskas ist das kleine Städtchen Juneau (30.000 Einwohner).
Juneau liegt an der sogenannten Inside Passage, einem schmalen Küstenstreifen der sich südlich vom Kernland an Kanadas Staatsgebiet entlangzieht, und Kanadas Pazifikzugang halbiert. Juneau hat kurioserweise keine Strassenverbindung zu anderen Städten in Alaska oder Kanada. Die Hauptstadt ist nur mit Schiff oder Flieger erreichbar.
Ich erreiche Anchorage recht zeitig vor allen anderen, da der Rest der Truppe durch die zeitversetzten Denali-Rundflüge noch aufgehalten wird.
Ich nutze die Zeit noch zu einem Besuch im nahe gelegenen Indianermuseum.
Den Centenial Campground erreiche ich trotzdem als erster und bekomme vom Verwalter für unsere Gruppe einen recht schönen abgeteilten Gruppenplatz zugewiesen. Der Verwalter erzählt, daß in den letzten 2 Wochen dort gelegentlich ein kleineres Schwarzbärenweibchen mit 3 Jungen gesehen wurde. Wir sollen halt die Essenvorräte und Reste gut wegpacken.
Kurze Zeit später erscheint Kurt mit dem Expeditions-Truck. Mein Bericht über die Bären verleiht ihm eine seehr sorgenvolle Miene, grins.
Nach dem Abendessen sind die meisten zu müde für einen Kneipenbesuch.
Wir sind dann nur zu dritt (Kurt, Roland und Jörg) beim Besuch vom originellen Chillcot Charlies Pub in der Innenstadt.
Unterwegs und auf den Campgrounds gibt es immer viel Fragerei über das woher und wohin unserer Gruppe, wobei die Fahrzeugkennzeichen für Verwirrung sorgen. Die BMW-Motorräder tragen australische Kennzeichen, weil Kurt in der Nähe von Melbourne seinen Firmensitz hat. Den Truck und die neue Yamaha hat er frisch aus Deutschland mitgebracht mit Kennzeichen von Olpe im Sauerland. Die Honda`s wurden früher nur für die Touren im Westen von Kanada und USA verwendet und tragen US-Kennzeichen. Dieses Sammelsurium während der Weltreise über diverse Grenzen in Mittel- und Südamerika sowie in Asien zu bringen, und dabei alle Zöllner zufrieden zu stellen, wird wohl nicht einfach werden, wie sich später auch noch zeigen soll.
In Tox übernachten wir im Eagle Trail Camp. Zum essen gibt’s Steak und Bohnen, wobei die Mücken heute etwas lästig werden. Gesprächsthema ist heute allerdings ein Mißgeschick von Kurt. Er hat beim Einkaufen etwas ungeschickt ausgeparkt und dabei eine Bordwand des schönen neuen Trucks lädiert.
Die erste größere Pause machen wir in dem Städtchen Chicken. Es handelt sich um eine früheres Goldgräbernest, das im Winter nur von 15 Leuten bewohnt wird. Im Sommer sind es wohl 50, welche die Historie des Ortes bei den Touristen vermarkten. Eine Tankstelle, ein kleiner Campground, ein paar rustikale Bretterbuden mit Geschäften, Pub und Cafe, auf Wunsch auch „Stadtführung“ mit Goldpanning. Es wird erzählt, das die Stadtgründer den Ort nach einer in der Gegend vorkommenden Rebhuhnart benennen wollten, dem „Ptarmigan“.
Weil die Digger diesen Namen aber nicht aussprechen konnten blieb es beim einfacheren „Chicken“. Hinter Chicken dann ein kurzer Fotostop bei den Resten eines alten Flussbaggers, einer so genannten „Dredge“, der früher zum Goldwaschen benutzt wurde. Die weitere Strecke Richtung Grenze führt über eine lehmige Schotterpiste. Beim jetzt einsetzenden leichten Regen steigen die Ansprüche an den Fahrer. Unterwegs begegnen uns einige Campmobile und Gespanne die wir überholen, sowie Tanklastzüge die auf gerader Strecke mit hoher Geschwindigkeit unterwegs sind. Wer zuviel bummelt wird von den Trucks überholt und mit Dreck beworfen. Vor der Grenze gibt es noch mal eine Art Raststätte wo sich unsere Gruppe sammelt.
Der Grenzübertritt nach Kanada ist mit einigem Warten und gründlicher Prüfung der Dokumente verbunden, gleichzeitig setzt Nieselregen ein. Allerdings werden wir mit einem netten Stempel belohnt. Mein Reisepass wird jetzt von einem Goldgräber mit Muli verziert.
Nach einigen weiteren Kilometern auf dem ungeteerten Top-of-the-world-Highway sehe ich dann von der Passstrasse aus auf Dawson und auf die Mündung des Klondike in den Yukon.
Ich finde rasch unseren Campground, der sich auf der Westseite des Yukon befindet. Die Stadt Dawson liegt auf der Ostseite und ist nur mit der kostenlosen Fähre erreichbar.
Ich muß erwähnen, daß es in Kanada wunderschöne öffentliche Campgrounds gibt, welche nur über ein paar Toilettenhäuschen mit Plumpsklo verfügen und über Kaltwasserversorgung per Handpumpe. Diese Plätze sind oft in den Nationalparks oder State Parks. Die geringen Gebühren wirft man in einem Umschlag in einen Kasten, oder sie werden von den Rangern einkassiert wenn sie einmal am Tag nach dem Rechten schauen. Es gibt natürlich auch komfortable private Campgrounds mit Stromversorgung, Duschen, Münzwaschmaschinen etc.. Diese sind natürlich etwas teurer. In Dawson werden wir 3 Nächte bleiben. Zum duschen und Wäsche waschen können wir die Fähre zur Stadt nehmen und auf dem dortigen privaten Campground die Anlagen benutzen.
Dawson entstand beim Goldrausch von 1898, nachdem im Vorjahr im Klondike Gold gefunden wurde. Damals sollen bis zu 40.000 Menschen dort gelebt haben, in 1905 waren es dann nur noch 5.000. Heute sollen es etwa 2.000 Einwohner sein, die dafür sorgen, dass keine Geisterstadt aus dem Ort wird. Für die Touristen versucht man den Flair der damaligen Zeit zu erhalten. Die Strassen sind immer noch ungeteert, die Häuser haben hölzerne Boardwalks und übergrosse Frontfassaden. Dazu kommt ein nettes Heimatmuseum, eine schöne alte Holzkirche und natürlich Geschäfte, Restaurants und Bars etc. Zu den bekanntesten Einwohnern gehörte der Schriftsteller Jack London. Natürlich gab es damals auch viele deutschstämmige Glücksritter. Wer es damals etwas länger in der Wildnis von Kanada oder Alaska aushielt galt als Einheimischer und wurde „Sourdough“ genannt, also Sauerteig. Die Männer im Westen führten als Nahrung meist Mehl mit sich und einen kleinen Klumpen Sauerteig um echtes Brot backen zu können. Wirtschaftlich am erfolgreichsten waren vermutlich nicht die Goldsucher, sondern Bäcker, Metzger und Handwerker, die in so einer Stadt immer gebraucht wurden.
Am Abend machen wir uns heute alle Stadtfein, denn der Koch hat Samstags frei. Wir essen im Triple-J-Restaurant und besuchen anschließend die berühmte Lasterhölle von Diamond Tooth Gertie. Es handelt sich um einen netten Spielsalon mit regelmäßigen Tanzshows auf der Bühne. Das ganze natürlich im Stil der Goldgräberzeit.
Heute fahre ich ein Stück ausserhalb von Dawson zum Beaver Creek. Dort befindet sich ein riesiger restaurierter Schwimmbagger, die Dredge # 4. Bald erscheinen auch weitere Mitglieder unserer Gruppe zur Baggerführung.
In der ersten Phase der Industrialisierung der Goldsuche hat man die goldhaltigen Flüsse und deren Uferzonen mit solchen Baggern durchwühlt. Das Gestein wurde in großen Trommeln im Inneren der Maschinen mehrfach gesiebt. Das schwerere Gold blieb zuletzt in den Bastmatten einer Auslaufrinne hängen. Die Bastmatten wurden regelmäßig ausgetauscht. Die Matten verbrannte man dann im Schmelzofen, zurück blieb flüssiges Gold.
Nach dem Baggerbesuch fahre ich noch zum Gold Panning bei einer kleinen Touristengoldmine in der Nähe. Die Tüte Sand die man zum auswaschen für 5 Dollar kaufen kann ist mit ein paar kleinen Goldplättchen präpariert. Zum Schluß erhält man noch eine kleine wassergefüllte Ampulle in der man sein Gold als Andenken mitnehmen kann.
Am Nachmittag folgt ein kurzer Besuch im Internet und ein Pub-Besuch im Downtown Hotel auf ein oder zwei Bierchen. Der Hotel-Pub ist bekannt wegen seinem Sour-Toe-Cocktail. In einer Alkoholflasche wird ein abgeschnittener Zeh aufbewahrt, der angeblich vor hundert Jahren einem Goldgräber amputiert werden mußte. Als Mutprobe wird den Gästen ein Drink mit Zeh im Glas serviert. Da manche die „Einlage“ wohl ungewollt verschluckt haben, mußte der Zeh angeblich schon 12 mal erneuert werden. Vor dem Hotel hab ich dann noch die Gelegenheit einen echten Mountie zu Pferd zu fotografieren.

Wir haben heute strahlenden Sonnenschein und eine wunderschöne Strecke durchs Gebirge an einigen Gletschern vorbei. Vorbei am Meziadin Lake biegen wir nach Westen ab Richtung Küste und erreichen am frühen Nachmittag die Stadt Stewart in British Columbia. Direkt an das kanadische Stewart grenzt der kleine Ort Hyder, der zur Inland Passage von Alaska gehört und von Land aus nur durch Kanada erreichbar ist. Die besondere Attraktion ist der Fish-Creek ein paar Kilometer nördlich von Hyder. Dort treffen sich die Bären zum Lachsfang. Vor wenigen Jahren war das Ganze noch ein Geheimtip. Touristen und Grizlies begegneten sich dort relativ unkontrolliert im Beisein von ein oder zwei eher hilflosen Rangern. Inzwischen hat man daraus ein geregeltes Schauspiel gemacht. Ein erhöhter hölzerner Boardwalk trennt Bären und Zuschauer voneinander und gibt den Zuschauern genug Gelegenheit für gute Schnappschüsse und Videoaufnahmen.
Da heute Samstag ist bleibt die Küche kalt und wir speisen abends im Restaurant. Seafood-Combo !! Gut und viel ! Anschließend fahren wir mit dem Truck zum Bären-Spektakel, wo sich allerdings nur ein jüngerer Bär beim fischen zeigt. Der Bär scheint keinen rechten Appetit zu haben, er schnüffelt gelegentlich an einem der hunderte von toten Lachsen die im Fluß liegen. Manchmal greift er nach einem zappelnden lebenden Lachs und lässt ihn wieder fallen. Schließlich fängt er doch noch einen der im zusagt und filetiert ihn regelrecht mit Tatzen und Zähnen.
Nach dem Bären-Schauspiel fahren wir in Hyder zum Glacier Inn. Vor dem Pub parken schon drei Harleys. Die Kneipe ist rustikal eingerichtet, die Wände sind mit Geldscheinen aus aller Welt gepflastert, angeblich über 50.000 Dollar wie der Wirt behauptet. Der Laden hat vermutlich auch schon lebhaftere Zeiten gesehen, denn heute sind wir fast die einzigen Gäste. Nach ein paar Bier und einigen Runden Billard fahren wir die kurze Strecke über die bewachte Grenze zurück nach Stewart in Kanada zum Campground.
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Unser Tagesziel ist das Städtchen Burns Lake. Bevor ich den Campground suche stoppe ich beim Visitor-Center und nutze die Gelegenheit dort kostenlos im Internet zu surfen. Da die Zahl der Auskunftssuchenden eher gering ist, freut sich das Personal über jedes Pläuschen zum woher und wohin.
Der Campground liegt etwas außerhalb der Stadt und ist sehr nett. Wir haben eine Lichtung für unsere Gruppe. Das Verwaltungsgebäude ist wenige hundert Meter weiter und hat saubere Duschen, Münzwaschmaschinen und Trockner.
Nachmittags und Abends haben wir wieder trockenes Wetter. Zum Abendessen grillt Kurt Steaks, danach spielen wir noch ein wenig Canasta.
Für die Meisten ist heute Abreisetag, allerdings erst am Nachmittag. Zum Zeitvertreib besuchen wir morgens noch die nahe gelegene Cart-Bahn und drehen einige Runden um die Wette. Der Rückflug mit KLM führt mich dann über Amsterdam nach Frankfurt.